Wann ist Julfest?
Der Termin hängt davon ab, welcher Tradition oder Rekonstruktion du folgst. Heute wird Jól auch zur Wintersonnenwende gefeiert. Der Ártala folgt einem Mondmodell: dem Vollmond des Späten Jólmonds. Nordberg nennt für seine Rekonstruktion den Zeitraum vom 5. Januar bis 2. Februar; die Berechnungsregeln der App können in Grenzfällen davon abweichen. Die Saga berichtet außerdem von der Angleichung an die christliche Weihnachtsfeier. [1] [2]
Jól ist ein Mittwinterfest, mit dem Opfer, Trinken, Gelübde und Gaben verbunden werden. Die überlieferten Texte und die Kalenderrekonstruktion beantworten unterschiedliche Fragen: Die Texte beschreiben Feiern; die Rekonstruktion liefert den vom Ártala verwendeten Mondtermin. [1] [2] Den Zusammenhang erklärt der germanische Mondkalender.
Jól in den Monatsnamen
Jól begegnet auch in Monatsnamen. Beda überliefert zwei Giuli-Monate um die Wintersonnenwende. Nordberg vergleicht dieses Paar mit gotischen und altnordischen Namen, um die Wintermonate zu rekonstruieren. Die Vergleiche stützen ein Modell; sie liefern keinen erhaltenen Kalender, den alle germanischen Gruppen identisch verwendeten. [2]
Was die Sagas Mittwinter nennen
Die Geschichte von Asbjørn Selsbane, Teil der Saga von Olaf Haraldsson, berichtet von Bauern, die dem König Rechenschaft über ein Fest ablegen mussten: "Höfðum vér jólaboð og víða í héruðum samdrykkjur" – "Wir hatten Einladungen zum Jólfest und Trinkgelage weit und breit in der Gegend." Der König hatte sie zuvor beschuldigt, ein miðsvetrarblót (Mittwinteropfer) veranstaltet zu haben. Die Begriffe werden hier synonym verwendet – ein Beleg für den Mittwinterbezug; die Stelle selbst nennt keine Vollmondregel. In der Ynglinga saga (Kap. 38) berichtet Snorri Sturluson von großen Opfern in Uppsala, zu denen sich mehrere Könige einfanden: "Váru þar þá blót mikil, sóttu þannug margir konungar; var þat at miðjum vetri" – "Da wurden damals auch große Blutopfer gebracht, und manche Könige stellten sich dazu ein. Das war im Mittwinter."
Eine Änderung des Festtermins beschreibt die Hákonar saga góða (Kap. 15): Snorri berichtet, wie König Hákon der Gute das heidnische jólahald per Gesetz auf den christlichen Weihnachtstermin verlegte – "en áðr var jólahald hafit hökunótt, þat var miðsvetrar nótt, ok haldin þriggja nátta jól", "zuvor aber wurde das Jólhalten an der Hökunótt begonnen – das war die Mittwinternacht –, und man hielt dreinächtiges Jól." Die hökunótt (Hau- oder Haunacht) ist die erste dieser drei Nächte, als Hinweis auf das Schlachten fürs Festmahl gedeutet. Die Saga erklärt den Namen an dieser Stelle nicht. [1]
Der Mondtermin im Ártala
In Nordbergs Rekonstruktion beginnt der Späte Jólmond mit dem ersten Neumond nach der Wintersonnenwende. Sein Vollmond bestimmt Jól. Nordberg nennt das Intervall 5. Januar bis 2. Februar. Ein Vollmond zwischen Sonnenwende und diesem Neumond gehört noch zum vorherigen Monat; diese Unterscheidung ist für die Terminwahl wichtig. Die dreinächtige Dauer berichtet Snorri. [2] [1]
Odin, Freyr und der Eid am Eber
Jól war Odin geweiht: jóln (Plural) bedeutet schlicht "Götter", und Jólnir ist ein Beiname Odins – "Herr des Jólfests". Laut Flateyjarbók wurde das Fest zu seinen Ehren begangen. Zugleich spielte Freyr eine eigene Rolle über das sonarblót, das Ebergelübde-Ritual: Die Hervarar saga berichtet von Schwüren, die man mit der Hand auf den Borsten eines Freyr geweihten Ebers ablegte, bevor man ihn opferte; die Helgakviða Hjörvarðssonar schildert dasselbe Ritual am Jólabend, begleitet von Gelübden bei Bragis Becher (heitstrenging). Das Haraldskvæði – um 900 die älteste Skaldendichtung, die Jól erwähnt – nennt in derselben Passage Freys leikr, "das Spiel des Freyr", und spricht vom jól drekka, dem rituellen Jóltrinken.
Dieses Trinken war Pflicht: Hákons Gesetze verlangten unter Geldstrafe das Bierbrauen, und das Gulathingsrecht formuliert es so: "Ölgerð hafum ver enn heitit […] oc signa þat nott hina helgu til krist þacca. oc sancta Mariu. til árs. oc til friðar" – "Einen Biertrunk haben wir noch gelobt […] und das zu weihen in der heiligen Nacht […] für ein gutes Jahr und Frieden." Dieselbe Segensformel til árs ok friðar findet sich in der Hákonar saga góða (Kap. 16) beim Opfermahl selbst, wortwörtlich beim Becher auf Njörð und Freyr überliefert. Auch das Schenken gehörte zu Jól: Die Egils saga berichtet, wie Arinbjörn seinem Freund Egil zu Jól ein Seidengewand mit goldenen Knöpfen als jólagjöf überreichte. [3]
Jól, Weihnachten und heutige Praxis
Snorri beschreibt, wie Hákon Jól an das christliche Weihnachtsfest anglich. Dieser Bericht über eine Änderung in Norwegen belegt keinen einzigen Ursprung von Weihnachten oder sämtlichen späteren Bräuchen. Die heutige Entscheidung, zur Sonnenwende zu feiern, kann als heutige Praxis für sich stehen; Der Ártala folgt dem oben beschriebenen Mondmodell. [1]
Der Ártala steht für eine offene heidnische Praxis ohne Rassismus und völkische Ausgrenzung. NS-belastete Kultobjekte gehören nicht zu diesem Ansatz.
Befund und Deutung
Befund: Snorri berichtet von einem dreinächtigen Jól und seiner Angleichung an das christliche Weihnachten. Rekonstruktion: der Vollmond des Späten Jólmonds und Nordbergs Januar-Februar-Intervall. Deutung: wie die Verbindungen zu Odin und Freyr mit Neubeginn, Fruchtbarkeit und Frieden zusammenhängen. Diese Ebenen sind nicht austauschbar. [1] [2] [3]
Jól heute
Ein gemeinsames Festmahl, Gaben und persönliche Gelübde bieten Möglichkeiten, Jól heute zu begehen. Wer der Rekonstruktion des Ártala folgt, findet in der App den Vollmond des Späten Jólmonds. Das gewählte historische Modell liefert einen Termin; die Gestaltung der Feier bleibt eigene Entscheidung. Siehe auch die Rauhnächte.
Die Umsetzung im Ártala verwendet die erste berechnete Sichel an einem festen Referenzort nach einer beobachtbaren Sonnenwende, die drei Tage nach der astronomischen Wende angesetzt wird. Die angezeigte Sichel folgt dem gewählten Ort. Diese Festlegungen können Grenzfälle beeinflussen; Nordbergs Januar-Februar-Intervall beschreibt seine Rekonstruktion und ist keine zugesicherte Datumsspanne für jede App-Einstellung und jedes Jahr.
Quellen
[1] Snorri Sturluson, Heimskringla: Hákonar saga góða, 15–16; Ynglinga saga, 38; Óláfs saga helga, Ásbjörn Selsbani (123). Kapitelzählung nach den im Ausgangsartikel verwendeten Ausgaben; Übersetzungen teils angepasst.
[2] Andreas Nordberg, Jul, disting och förkyrklig tideräkning, 2006, Summary 155–156; Beda, De temporum ratione, 15; Andreas E. Zautner, Der gebundene Mondkalender der Germanen, 7.4.2.1.
[3] Hervarar saga ok Heiðreks; Helgakviða Hjörvarðssonar; Haraldskvæði; Egils saga; Flateyjarbók; Gulathingsrecht. Ritualstellen nach Zautner, Kap. 10.2.2; hier nicht sämtlich gegen Handschrifteneditionen kollationiert.